Wie unternehmerische Verantwortung auf Mitarbeitende wirkt

Dr. Irmela Koch-BayramUniversität Mannheim

Unternehmen übernehmen zunehmend mehr soziale Verantwortung. Diese Verantwortung – auch Corporate Social Responsibility (CSR) genannt – beinhaltet, dass Unternehmen nicht nur ökonomische, sondern auch soziale und ökologische Ziele verfolgen. Zum Beispiel legen Unternehmen vermehrt Wert auf nachhaltige Produktionsprozesse, die Nutzung nachwachsender Rohstoffe oder die Einsparung von Wasser und Energie.

Somit können Unternehmen erheblichen Einfluss auf unsere Umwelt nehmen und eine bedeutsame Rolle beim Umweltschutz spielen. Doch CSR-Maßnahmen haben darüber hinaus auch positive Effekte für die Unternehmen und weitreichende Auswirkungen auf deren Mitarbeitende.

Positive Effekte auf den Unternehmenserfolg

Wirtschaftswissenschaftler haben sich bis dato überwiegend die Frage gestellt, inwiefern CSR für Unternehmen lohnenswert ist. Zahlreiche wissenschaftliche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass CSR-Maßnahmen positive Effekte auf ökonomische Erfolgsgrößen eines Unternehmens wie den Unternehmensgewinn haben.

  • Zum Beispiel können CSR-Maßnahmen den Umsatz eines Unternehmens erhöhen, weil die Kauf- und Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen steigt.
  • CSR-Aktivitäten können darüber hinaus die Produktivität der Beschäftigten steigern.
  • Empirische Studien belegen, dass CSR-Maßnahmen nicht nur einen positiven Einfluss auf die Arbeitseinstellungen von Mitarbeitenden wie zum Beispiel deren Arbeitszufriedenheit oder deren Commitment haben, sondern auch das Arbeitsverhalten und die Performance von Mitarbeitenden positiv beeinflussen.

Diese Forschung untersucht größtenteils das Verhalten von Mitarbeitenden innerhalb ihrer Unternehmen und die direkten und indirekten Auswirkungen für die jeweiligen Unternehmen.

Die Betrachtung von unternehmensinternen und ökonomischen Auswirkungen von CSR ist zwar wichtig, eine reine Fokussierung auf diese Erfolgsgrößen vernachlässigt jedoch das Potenzial von Unternehmen, das private Verhalten ihrer Mitarbeitenden zu beeinflussen und damit zur Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen beizutragen.

Wie wirkt CSR auf das private Verhalten von Mitarbeitenden?

Um hier einen essentiellen Beitrag zu leisten, haben wir in einem kürzlich veröffentlichten Forschungsprojekt untersucht, ob umweltorientierte CSR-Maßnahmen, das private Sozial- und Umweltverhalten von Mitarbeitenden verändern. Unsere Forschung basiert auf der sozialpsychologischen Literatur, in der zwei gegenläufige Effekte hinsichtlich des moralischen Verhaltens diskutiert werden.

Einerseits sprechen theoretische Modelle und empirische Beobachtungen für eine moralische Konsistenz – also die Neigung von Individuen sich über mehrere Situationen hinweg moralisch konsistent zu verhalten. Erinnert man sich zum Beispiel daran, wie man einem Fremden einen Gefallen getan hat, ist man im Anschluss eher bereit für einen wohltätigen Zweck Geld zu spenden.

Andererseits gibt es theoretische Argumente und empirische Evidenz, die ein moralisches Gleichgewicht befürworten. Eine moralische Handlung kann so zum Beispiel als Lizenz für ein folgendes, unmoralisches Veralten dienen. Oder umgekehrt: eine unmoralische Handlung kann dazu führen, dass man sich im Anschluss moralischer verhält, weil man sich von der Schuld reinwaschen möchte.

Während bei diesen theoretischen Ansätzen das eigene Verhalten über mehrere Situationen hinweg betrachtet wird, deuten weiterführende Studien daraufhin, dass das eigene moralische oder umweltfreundliche Verhalten ebenfalls durch das Verhalten von nahestehenden Personen oder einer Gruppenzugehörigkeit bestimmt werden kann.

CSR wirkt positiv auf das private Verhalten von Mitarbeitenden

Basierend auf diesen Überlegungen haben wir uns angeschaut, inwiefern das umweltfreundliche Verhalten von dem Unternehmen, für das man arbeitet, einen Einfluss auf das eigene Verhalten hat. Handeln Mitarbeitende moralisch konsistent zu ihrem Unternehmen und verhalten sich ebenfalls mehr oder weniger umweltfreundlich?

Oder sorgen sie für ein moralisches Gleichgewicht? Dies würde bedeuten, dass sie auf verstärkte CSR-Aktivitäten ihres Unternehmens mit geringerer Bereitschaft zum prosozialen Verhalten außerhalb der Arbeit reagieren, weil sie sich von dieser Aufgabe befreit fühlen. Zur Beantwortung dieser Fragen haben wir drei experimentelle Studien durchgeführt.

CSR erhöhte Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit

Im ersten Experiment erhielten insgesamt 142 Mitarbeitende eines international agierenden Unternehmens unterschiedliche Informationen über ihren Arbeitgeber.

Ungefähr ein Drittel der Mitarbeitenden (CSR-Gruppe) erhielt wahrheitsgemäße Informationen über die Bestrebungen des Unternehmens, ökologisch nachhaltig zu agieren. Das zweite Drittel an Probanden (CSIR-Gruppe) wurde über einen realen Umweltskandal (hier: die Verschrottung von zurückgeschickter, aber intakter Ware) informiert. Eine dritte Kontrollgruppe erhielt neutrale Informationen über ein neues Produkt des Unternehmens.

Nachdem die Mitarbeitenden sich mit den Aktivitäten ihres Unternehmens auseinandergesetzt hatten, bekamen sie die Möglichkeit, freiwillig an einem sozialen und umweltbezogenen Projekt teilzunehmen. Während CSR-Maßnahmen die Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit signifikant erhöht haben, hat unternehmerische Unverantwortung (CSIR) gegenüber der Umwelt die Bereitschaft der Mitarbeitenden ausgebremst.

So waren knapp 33 Prozent der Mitarbeitenden in der CSR-Gruppe bereit, sich für das Projekt zu engagieren – im Vergleich zu nur 9 Prozent der Mitarbeitenden in der CSIR-Gruppe. Aus der Kontrollgruppe erklärten sich 23 Prozent der Mitarbeitenden zur Teilnahme bereit.

Umweltfreundlichkeit erhöhte Spendenbereitschaft

In unserem zweiten Experiment ließen wir 118 Studierende an der Universität Mannheim im Rahmen eines Unternehmensevents für ein fiktives Start-up arbeiteten. Die Studierenden wussten zum Zeitpunkt des Events nicht, dass das Unternehmen nicht existiert.

Dieses Mal variierten wir in einem Zeitungsartikel über das Start-up dessen umweltfreundliche versus umweltunfreundliche Produktion und Beschaffung von Materialien. Wenn das Unternehmen als umweltfreundlich beschreiben wurde, spendeten im Anschluss an das Event sowohl mehr Studierende (rund 71 versus 47 Prozent) Geld als auch eine signifikant größere Summe an Greenpeace.

Stärkung der ökologischen Selbstidentität

In unserer dritten Studie untersuchten wir 524 Mitarbeitende aus diversen Unternehmen in den USA. Auch hier zeigte sich, dass umweltbezogene CSR-Maßnahmen des eigenen Unternehmens das private Verhalten der Mitarbeitenden positiv beeinflusst. Diese positiven Auswirkungen konnten teilweise durch die Stärkung der ökologischen Selbstidentität der Mitarbeitenden erklärt werden.

Was bedeuten diese Ergebnisse für Unternehmen und Gesetzgeber?

Unsere Erkenntnisse verdeutlichen, welch wichtige Rolle unternehmerische Verantwortung spielt und wie bedeutsam der Vorbildcharakter von Organisationen ist.

Dr. Irmela Koch-Bayram

CSR-Aktivitäten im Umweltbereich haben nicht nur einen direkten Einfluss auf unsere Umwelt, sondern können darüber hinaus das private Verhalten der Beschäftigten gegenüber der Gesellschaft und Umwelt beeinflussen. Agiert ein Unternehmen umweltfreundlich, sind auch die Mitarbeitenden eher bereit, Spenden für den Umweltschutz und Freiwilligenarbeit zu leisten.

Im Gegensatz dazu färbt auch unverantwortliches Verhalten auf die Beschäftigten ab. Haben Betriebe kein nennenswertes CSR-Engagement vorzuweisen und verhalten sich sogar besonders umweltschädlich, bremsen sie gesellschaftliche Initiativen ihrer Mitarbeitenden aus.

Gesetzgeber können und müssen Rahmenbedingungen und Anreize schaffen, die Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit motivieren und die dazu dienen, den Umweltschutz voranzutreiben und Umweltskandale zu vermeiden. Die EU-Richtlinie zur ESG-Berichterstattung, welche von Unternehmen fordert, über ihre Nachhaltigkeits-Maßnahmen und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft und Umwelt zu berichten, ist dabei ein bedeutsamer Schritt in die richtige Richtung.

Für Unternehmen ist essentiell, dass sie sich nicht nur für den Umweltschutz einsetzen, sondern ihr Engagement auch ausreichend kommunizieren. Dabei sollte insbesondere die interne Unternehmenskommunikation nicht vernachlässigt werden. Denn Unternehmen können für ihre Mitarbeitenden nur dann ein gutes Vorbild sein, wenn sie regelmäßig und umfangreich über ihre CSR-Maßnahmen berichten.

Weitere Beiträge zum Thema auf unserem Blog:

CO2-Bilanzierung: Anforderungen in der Unternehmenspraxis von Olaf Eisele, ifaa

ASSMANN Büromöbel: „Am Thema Nachhaltigkeit kommt man nicht vorbei“ mit Karla Aßmann und Dr. Julia Koch, Assmann Büromöbel

Nachhaltigkeitsberichterstattung im Mittelstand: Wie isst man einen Elefanten? von Prof. Dr. Christina E. Bannier, Justus-Liebig-Universität Gießen



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