Green IT Solution: Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern unsere Pflicht
In unserer Interview-Reihe sprechen wir mit kleinen und mittleren Unternehmen über das Thema nachhaltige Innovationen – und darüber, welche staatlichen Rahmenbedingungen aus ihrer Perspektive gegeben sein müssen, damit die anstehende Nachhaltigkeitstransformation erfolgreich bewältigt werden kann.
Dieses Mal geht es um das Unternehmen Green IT Solution GmbH. CEO Alexander Jauns erzählte bei uns im Interview, warum er sich über mehr Konkurrenz in seiner Branche freut – und warum Nachhaltigkeit nicht zu einem Trend verkommen darf.
Herr Jauns, könnten Sie uns Ihre Dienstleistung etwas näher erläutern?
Wir geben gebrauchter Hardware wie Laptops, Tablets oder Smartphones ein zweites Leben. So erkläre ich das zumindest meinen Kindern. Das heißt, Unternehmen wenden sich an uns, wenn sie ihre gebrauchte IT-Hardware wiederaufbereiten lassen möchten. Wir kümmern uns dann um den gesamten Prozess: von der Abholung der Geräte über die Anonymisierung der Geräte bis hin zum optischen und technischen Refurbishment.
Jeder dieser Schritte wird in unserem Kundenportal transparent dokumentiert. Entscheidend ist dabei natürlich das sichere Löschen sämtlicher Daten, was bei uns unter Einhaltung höchster internationaler Standards geschieht. Nach erfolgreichem Abschluss des Refurbishments verkaufen wir die aufbereiteten Geräte weiter an Händler:innen, sodass sie wieder genutzt werden können.
Das Schöne daran ist: Im Vergleich zum Recycling ist Refurbishment deutlich nachhaltiger. Etwa zwei Drittel der CO2-Emissionen fallen bei IT-Hardware nämlich bei der Herstellung und beim Transport an. Wird der Produktlebenszyklus der Geräte durch das Refurbishment umgekehrt deutlich verlängert, muss weniger neue Hardware produziert werden. Recycling wiederum sorgt lediglich dafür, dass die Geräte ordnungsgemäß entsorgt und Rohstoffe wieder genutzt werden können – was aber nichts daran ändert, dass bei der Neuproduktion trotzdem wieder viele CO2-Emissionen entstehen.
Wie kam es zu der Idee?
Anfang der 2000er, also zur Zeit der Dotcom-Blase, bin ich zu einer Insolvenzversteigerung gegangen, um mir einen gebrauchten Laptop zu kaufen. Und obwohl zu dieser Zeit sehr viel Hardware auf dem Markt war, war dieser gebrauchte Laptop unglaublich teuer. Ich konnte das nicht nachvollziehen und wollte daran etwas ändern. Generell liegt mir das Thema Nachhaltigkeit am Herzen und ich möchte mich gerne auch beruflich dafür einsetzen, die Nachhaltigkeitswende voranzutreiben. So ist dann über die Jahre auch die Idee zur Gründung von Green IT Solution entstanden.
Ist Ihre Idee denn direkt gut angenommen worden?
Ich habe Green IT Solution schließlich 2015 gegründet und ich muss sagen, dass ich am Anfang schon etwas schief angeguckt wurde. Viele haben damals noch nicht an das Potenzial von Refurbishment geglaubt. Dennoch war die Nachfrage aber von Beginn an da und man konnte schon damals Wirtschaftlichkeit mit Nachhaltigkeit gut kombinieren. Heute bringen wir unterm Strich über 100.000 Geräte jedes Jahr in den Markt zurück – Tendenz steigend. Das freut mich wirklich sehr.
Egal, mit welchen Kund:innen wir in letzter Zeit sprechen: Das Thema Kreislaufwirtschaft ist für alle ein Begriff und gewinnt immer mehr an Bedeutung. Auch unsere Konkurrenz wird immer größer, was ich aber offen gestanden sogar gut finde. Denn das bestätigt einmal mehr das große Potenzial von Refurbishment für die Nachhaltigkeitswende.
Trotzdem habe ich mittlerweile auch den Eindruck, dass einige Branchen das Thema Nachhaltigkeit missverstehen: nämlich als Trend, mit dem man Geld machen kann. Kund:innen verlangen vermehrt nach nachhaltigen Produkten und Prozessen. Aber das heißt noch lange nicht, dass der Einsatz für die Nachhaltigkeitswende einfach ein Trend ist, der sich aus Marktsicht lohnt.
Letztendlich haben wir doch überhaupt keine andere Wahl, als aktiv zu werden und zu schauen, wie wir in sämtlichen verschiedenen Bereichen CO2-Emissionen einsparen können. Das ist also kein Trend, sondern letztlich unsere Pflicht.
Gibt es Hürden, auf die Sie in Ihrem Geschäftsalltag stoßen, zum Beispiel durch politische Rahmenbedingungen?
Eigentlich können wir uns kaum beklagen. Die Bürokratie, die bei uns rund um das Thema Herkunftsnachweise besteht, ist etwas anstrengend. Manche Arbeiten lassen wir im europäischen Ausland durchführen – dazu zählen beispielsweise in seltenen Fällen auch Reparaturen. Dieser Prozess muss klar dokumentiert werden, was zwar absolut wichtig und richtig ist, aber auch aufwendig.
Ab und an kämpfen wir außerdem damit, dass das Thema Datenschutz in Deutschland so misstrauisch betrachtet wird. Viele Unternehmen unterliegen immer noch dem Irrglauben, Daten könnten nicht sicher gelöscht werden. Entweder sie setzen dann überhaupt nicht auf Refurbishment oder aber sie möchten, dass wir eigentlich noch intakte Geräte schreddern, weil ihnen das sicherer erscheint. Das ist sehr schade. Hier würde ich mir deutlich mehr Aufklärung am Markt wünschen, damit noch mehr Unternehmen davon überzeugt werden, dass eine 100 Prozent sichere Löschung der Daten möglich ist.
Was, denken Sie, brauchen wir generell, um die Bahnen in eine nachhaltigere Wirtschaftsform zu lenken?
Konkret fände ich ein Pfandsystem gut: Verbraucher:innen, die gebrauchte Elektrogeräte bei einem Händler fürs Recycling zurückgeben, erhalten eine finanzielle Prämie. Für Unternehmen fände ich Quoten gut, die Betriebe dazu verpflichten, dass ein bestimmter Anteil ihrer genutzten Elektro-Geräte gebraucht sein muss. Ich glaube auch, dass es sinnvoll ist, wenn Unternehmen darüber nachdenken, wie brandneu die Endgeräte ihrer Mitarbeiter:innen eigentlich sein müssen. Muss wirklich jeder Angestellte das aktuellste iPhone bekommen?
Klar, wir werden mit unseren gebrauchten Laptops, Smartphones auch nicht die Welt retten. Aber das ist immerhin ein Anfang, um Dinge besser zu machen. Und darum geht es doch. Wir müssen beim Thema Nachhaltigkeit auch realistisch bleiben. Es bringt nichts, wenn wir uns alle viel vornehmen – und dann so überfordert von unseren Vorhaben sind, dass wir direkt den Kopf in den Sand stecken.
Weitere Beiträge zum Thema auf unserem Blog:
Zirkuläre Lösungsansätze für zukunftsfähige Smartphones von Dr. Julia Reinhard, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
Wie die Umgebung umweltfreundliches Verhalten mitbestimmt von Dr. Swen J. Kühne, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Kreislauffähiger Konsum: Hürden verstehen und abbauen von Dr. Kathleen Jacobs, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
Kommentar verfassen